Der Belichtungsmesser, ein Relikt aus der analogen Zeit?

2017-04-30/ Tipps und Tricks - Fotografie /caw

Beim Thema Belichtungsmesser und Digitalfotografie gibt es so viele Befürworter wie auch Gegner. Die Gegner meinen, dass moderne Kameras bereits über ein ausgeklügeltes Belichtungssystem und andere Möglichkeiten verfügen und deshalb in die technische Mottenkiste gehören. Die Befürworter schwören darauf und bringen als Argument die bessere Kontrolle was Gemessen wird und die Zeitersparnis. Ich habe mich für einen Belichtungsmesser entschieden und möchte einmal beschreiben, wann ein Belichtungsmesser nötig ist und wann dieser Zeit einspart und den Prozess vereinfacht. Wir wollen ja alle weniger Zeit mit der Nacharbeit verbringen.

Gossen VarioSix F2

Messmethoden: Kamera und Belichtungsmesser
Der Belichtungsmesser der Kamera ermittelt die Belichtung nach der Objektmessmethode, d.h. dieser misst das reflektierte Licht eines anvisierten Objekts. Dabei geht das Messsystem davon aus, dass das zu messende Objekt 18 Prozent des Lichts reflektiert. Diese Messmethode ist für die meisten Situationen vollkommen brauchbar und liefert passable Ergebnisse.
Der externe Belichtungsmesser kennt zwei Messmethoden, die Objekt- und auch die Lichtmessmethode. Bei der Lichtmessmethode wird eine Messkalotte genutzt, die nur 18 Prozent des einfallenden Lichts zu dem Lichtsensor durchläßt. Der Belichtungsmesser wird dabei in Richtung des einfallenden Lichts am Objekt gehalten und die Belichtung so ermittelt. Diese Methode hat den Vorteil, dass das einfallende Licht gemessen wird und so Fehlinterpretationen der Kamera ausgeschaltet werden. Bestes Beispiel für Belichtungsfehler ist der graue Schnee im Winter.

Bildbeurteilung vor Ort
Eine visuelle Kontrolle der Belichtung ist bei nicht kalibrierten Kameradisplays nur bedingt möglich. Bei hellem Umgebungslicht, wie bei Sonnenschein im Freien, ist es sehr schwer eine Belichtung richtig zu beurteilen. Die Aufnahmen sehen auf kalibrierten Monitoren häufig anders aus. Das Argument, dass man ja nacharbeiten kann, ist nur in Teilen haltbar. Auch kostet aufwendige Nacharbeit viel Zeit. Wer hier nur in JPEG anstelle von RAW fotografiert hat dabei noch schlechtere Karten.

Bildbeurteilung mit dem Histogramm der Kamera
Das Histogramm auf dem Kamerabildschirm zeigt lediglich die Tonwertverteilung im gesamten Bild an und ist motiv- und beleuchtungsabhängig. Eine Beurteilung ist zwar möglich, fordert aber viel Übung und Erfahrung des Fotografen.

Gossen VarioSix F2 Kalotte

Vorteil im Studio
Im Studio werden überwiegend Blitzgeräte und Studioleuchten eingesetzt. Hier ist ein Belichtungsmesser für professionelles Arbeiten ein muss. Einmessung eine Szene mit drei oder vier Blitzgeräten oder Studioblitzen ist ohne Belichtungsmesser nur mit viel Aufwand nach der trial & error Methode möglich. Ein Handbelichtungsmesser macht die Sache zu einem Kinderspiel, dabei müssen keine zeitaufwendigen Testreihen fotografiert werden.

Vorteil on Location
Wenn Sie Auftragsarbeiten vor Ort beim Kunden, wie Produkt- oder Objektaufnahmen, machen müssen, dann werden Sie den Belichtungsmesser zu schätzen wissen. Gerade beim Kunden ist ein professioneller Auftritt wichtig. Unzählige und zeitaufwendige Testaufnahmen sehen in Augen von Auftraggebern professionell aus und lassen solche Fotografen als Amateure erscheinen. Mit einem externen Belichtungsmesser messen Sie schnell und sicher Ihre Szene mit der eventuell genutzten Lichtanlage aus, stellen die Kamera korrekt ein und machen nur einige Aufnehmen. Statt später im Büro hunderte von Bildern zu sichten und nachzuarbeiten, haben Sie nur wenige aber korrekt belichtete Aufnahmen, die eventuell nur noch kleinste Nacharbeit benötigen.

Fazit
Der Handbelichtungsmesser ist sicherlich nicht für jede fotografische Aufgabe nötig, beim professionellen Arbeiten vor Ort beim Kunden und ganz besonders im Studio ist dieser ein muss für alle, die schnell zu Ergebnissen kommen müssen oder ihren Lebensunterhalt mit Fotografie verdienen müssen.

Folgende Vorteile ergeben sich bei der Nutzung eines Handbelichtungsmessers:
- Korrekte Belichtung, auch bei schwierigen Licht- und Aufnahmesituationen
- Bewusstes und zielgerechtes Arbeiten ohne trial & error Methode
- Zeitersparnis und Arbeitserleichterung, besonders bei Blitz- und Studiofotografie
- Planbare, messbare und reproduzierbare Lichtverhältnisse sorgen für konstante Ergebnisse
- Mehr Zeit für die Fotografie und weniger für die Nachbearbeitung

Infos zu meinem Belichtungsmesser:
Modell: GOSSEN VarioSix F2
Drehbare und abnehmbare Messkalotte
Messmodi: Zeitvorwahl, Blendenvorwahl, EV Messung, Blitzmessung
Messmethode: Lichtmessung mit Kalotte oder Objektmessung
Unterstützt Blitzmessung via PC-Sync oder Blitzlichterkennung

Links:
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