Sony Alpha 9, der DSLR Killer? Meine Analyse

2017-04-22/ News - Fotografie /caw

Sony hat diese Woche die neue Sony Alpha 9 der Öffentlichkeit vorgestellt. Laut Sony soll diese Kamera ideal für Sport Fotografen sein und ein wahres Wunderwerk der Fototechnik darstellen. Da die Kamera noch nicht erhältlich ist und nur einem ausgesuchten Publikum bei einem Presse Event zu einem Kurztest ausgehändigt wurde, gibt es zwar viele Berichte im Internet auf bekannten Webportalen und erste Eindrücke auf vielen YouTube Kanälen. Diese Berichte sollte man aber mit Vorsicht begegnen, da dies nur erste Eindrücke sind, die mit richtigen Tests nicht viel zu tun haben. Ich habe die Kamera auch nicht in den Händen gehabt, möchte aber aus der Sicht eines ambitionierten Fotografen meine Einschätzung äußern.

SONY Alpha 9

The Good
Die Kamera nutzt eine Sensortechnologie, die bisher nur bei Smartphones und den Sony RX100 Mk.V Kamera mit 1 Inch Sensor zum Einsatz kam und wirklich revolutionär in Sachen Geschwindigkeit ist. Diese sog. BSI Technologie, bei der die Verdrahtung in Kupfer und rückseitig angebracht ist, verbessert den Lichteinfall und verkürzt die Verdrahtung. Durch die rückseitig angebrachte Schicht mit DRAM Speicher samt Controller wird Ausleseprozess des Sensors erheblich beschleunigt. Diese Sensortechnologie wird wohl in naher Zukunft auch im APS-C Format verfügbar sein und so auch Nachfolger der Kameras, wie die Nikon D500 oder die FUJI X-T2, zur Verfügung stehen.

The Bad
Sony hebt auf der offiziellen Produktseiten die Vorteile der neuen Kamera in vielen Beispielen hervor. Interessanterweise fällt mein Lesen der Beschreibung die vielen Fussnoten bei den rekordverdächtigen Features aus. So werden die 20 Bilder pro Sekunde, ein Hauptfeature, nur erreicht, wenn die Verschlusszeit nicht höher als 1/125 Sekunde ist und nur mit ausgesuchten Sony G Master Objektiven. Ein zweites Beispiel ist der elektronische Verschluss von bis zu 1/32.000 Sekunden. Aufnahmen mit elektronischen Verschluss haben leider bisher den Nachteil, dass der sog. Rolling Shutter Effekt bei sich bewegenden Objekten zu unschönen Verzerrungen führen kann. Ob dies mit dem neuen Sensor radikal besser ist, erfährt man nicht. Praktische Kameratests werden wohl die Frage beantworten können, sobald die Kamera auf dem Markt verfügbar wird.

The Ugly
Sony, als Erfinder der neuen superschnellen XQD Speicherkarten Technologie, hat die Gelegenheit nicht genutzt, dies in der Kamera einzubauen. Kameras wie die Nikon D5 oder die D500 nutzen diese Speichertechnologie, um die hohen Bildraten auch schnell auf ein Speichermedium sichern zu können. Sony gibt zwar an, dass die Kamera bis zu 241 RAW Dateien im Puffer halten, das Speichern auf die SD Karte dauert, wie berichtet wird, dann aber eine Weile. Warum nicht auf XQD gesetzt wurde ist mir schleierhaft. Die Batteriekapazität wird bei Sony zwar mit 480 Aufnahmen als erheblich verbessert beworben, verglichen mit einer DSLR wie der Canon 1Dx Mk. II ist es aber nur unterer Durchschnitt. Mit einer Canon können mit einer Batterieladung bis zu 1210 Bilder geschossen werden. Zwar kann an die A9 ein vertikaler Grip montiert werden und dabei zwei Batterien die Kapazität verdoppeln, eine Lösung wie bei der FUJIFILM X-T2 mit allen drei Batterien, gibt es nicht.

Mein Fazit
Die Sony Alpha 9 ist ein richtiger Schritt und die verbauten Technologien werden wir hoffentlich in kommenden Kameras der verschiedenen Hersteller sehen, jedoch gibt es bei der Alpha 9 viel zu viele WENN’s und Fussnoten. Um nicht falsch verstanden zu werden, die verbaute Technologie ist Spitzenklasse. Sony ist Technologieführer bei Bildsensoren und liefert Jahr für Jahr das Beste vom Besten. Das Problem ist ist nur, dass diese Kamera als Werkzeug für Sport- und Aktion Fotografen beworben wird, Sony aber nicht dies Objektive im Programm hat, um Sportfotografen wirklich glücklich zu machen. Das Canon und Nikon Ökosystem an Objektiven ist mit dem Angebot von Sony nicht vergleichbar. Eine Adaption von Nikon und Canon Objektiven, von vielen als Allerheilmittel beworben, ist nicht die Lösung, schon gar nicht, wenn es auf Geschwindigkeit und Präzision beim Fokussieren ankommt. Viele Sport- oder Naturfotografen bevorzugen sogar lieber hochauflösende APS-C Sensoren, weil die Brennweitenverlängerung sich positiv auf die Baugröße und das Gewicht des Equipments niederschlägt.

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